Der Fähnrich schwingt die Fahne

Der Fähnrich schwingt die Fahne

Wenn man ein St.Veiter Volksschulkind fragt, ob es die Trabantengarde kennt, dann wird es diese Frage höchstwahrscheinlich mit „Ja“ beantworten. Wenn man es zusätzlich nach dem wichtigsten Erscheinungsmerkmal der Garde fragt, dann wird wohl sehr oft die Fahne genannt.
Die 6m² große Schwingfahne ist wohl DAS Erkennungsmerkmal der Garde, wenn sie in einem Festzug an einem vorbeimarschiert. Das Schwingen der Fahne ist dem Fähnrich vorbehalten. Er wird von der Garde mit einfacher Mehrheit gewählt und bleibt dies, bis er einem anderen diese Funktion überlässt oder aus der Garde ausscheidet.
Die Fahne ist durch ihre Größe weithin erkennbar, aber auch durch das schwarz-gelbe Motiv, dem Doppeladler mit kaiserlichen Insignien.
Genau betrachtet findet sich auf gelben Untergrund der schwarze Doppeladler als Symbol des Österreichischen Kaisertum wieder. Der Adler ist gekrönt und hat seine Schwingen ausgebreitet. In den Krallen hält er links ein Schwert, rechts ein Zepter. Am Rumpf des Adlers ist ein großes, unverkennbares Monogramm eingestickt: C.VI. Dies steht für den Stifter der Fahne: Kaiser Karl VI. Das Stiftungsdatum steht links unten eingestickt: Das Jahr 1715.

Abbildung der Fahne

Abbildung der Fahne

Die Fahne ist also schon vor 300 Jahren gestiftet worden. Natürlich ist es nicht möglich, eine so alte Textilie der Belastung des Schwingens auszusetzen. Daher wird durch den Fähnrich ein Duplikat geschwungen. Die Patin dieser Fahne ist Frau Helene Mock.
Kaiser Karl VI. verweilte 1715 in St.Veit/Glan. Er verlieh der Bürgerlichen Trabantengarde seine Fahne zur Würdigung der jahrhundertelangen Treue der Garde zur Stadt. Somit ist auch die entsprechend lange Geschichte der Trabantengarde belegt, zumal die Garde der Kaiserlichen Hoheit ihre uralte Tradition als Begleitung der Herzöge von Kärnten während der Zeit ihrer St.Veiter Residenz nachzuweisen vermochte.
Das Original der Fahne existiert aber noch und ist ein wichtiges Zeitdokument, das über 300 Jahre überdauert hat. Die Garde ist sehr bemüht, dieses wertvolle Stück für die nächsten Generationen bestmöglich zu bewahren und zu schonen. In der Zeit zwischen 1967 und 2023 wurde die alte Fahne in einer Glasvitrine aufbewahrt: Zuerst 32 Jahre lang bei Prof. Heinz Ellersdorfer, dann ab 1999 bei Ing. Peter Spendier.
Im Zuge der Eröffnung der neuen Museumsräumlichkeiten in St.Veit wurde die Fahne der Öffentlichkeit zugänglich und wird seither als Dauerleihgabe im Museum St.Veit ausgestellt.

 

Die originale Schwingfahne aus 1715 im Museum St.Veit

Im Jahr 2015 wurde die Schwingfahne 300 Jahre alt. Die Bürgerliche Trabantengarde feierte diesen Geburtstag mit einem großen Fest unter der Teilnahme zahlreicher Ehrengäste, darunter Karl Habsburg-Lothringen, dem Oberhaupt des Hauses Österreich.

Das Schwingen der Fahne ist weniger eine Frage der Kraft, eher eine der Technik und Ausdauer. Der Fähnrich muss dabei die Fahne in seinen Händen tanzen lassen, während er sich über seinen Kopf schwingen lässt und regelmäßig Richtungswechsel einlegt. Das braucht jahrelange Erfahrung, Geschick und auch Mut. Denn der Fähnrich führt die Garde an, ist das optische Highlight der Garde und damit eine wertvolle Stütze für die Garde und der Erscheinungsbild.